Formen der Gewalt:
Wenn der Partner das Konto kontrolliert und Du keinen Zugriff auf Dein eigenes Geld hast
Häusliche Gewalt hat viele Gesichter. Sie muss sich nicht immer in körperlicher Aggression äußern, sondern kann auch so aussehen, dass Dein Partner Dein Konto kontrolliert und Du keinen Zugriff auf Dein eigenes Geld hast.
In unserer Serie „Formen der Gewalt“ klären wir über unterschiedliche Arten partnerschaftlicher Gewalt auf:
- Ndigitale Gewalt
- Npsychische Gewalt / seelische Gewalt
- Nsexualisierte Gewalt
- Nphysische Gewalt/körperliche Gewalt
- Nsoziale Gewalt
Was ist ökonomische Gewalt?
Ökonomische Gewalt bedeutet, dass Geld oder finanzielle Abhängigkeit genutzt werden, um Macht, Kontrolle oder Druck auszuüben. Diese Form von Gewalt ist oft schwer zu erkennen, weil sie vom Täter als „Organisation“, „Vernunft“ oder „finanzielle Verantwortung“ getarnt wird.
Wenn also Dein Partner Dein Konto kontrolliert und Du keinen Zugriff mehr auf Dein Geld hast, wird er es womöglich als Nettigkeit Dir gegenüber darstellen, als einen Gefallen, den er Dir tut.
Häufig beginnt ökonomische Gewalt schleichend und nimmt Betroffenen Schritt für Schritt die finanzielle Selbstbestimmung. Am Ende hast Du keine Möglichkeit mehr, auf Dein Geld zuzugreifen. Das macht eine Trennung nahezu unmöglich. Somit kontrolliert Dein Partner nicht nur Dein Konto, sondern auch Dich als Menschen.
Woran Du ökonomische Gewalt erkennen kannst
- NKontrolle des Partners über Konten oder Einkommen
- NVerbot zu arbeiten oder Druck, eine Arbeit aufzugeben
- NZuteilung von „Taschengeld“
- NRechtfertigungspflicht für sämtliche Ausgaben
- NVerweigerung von Geld für notwendige Dinge
- NSchulden auf Deinen Namen
- NVorenthalten wichtiger finanzieller Informationen
- NVerhindern eigener finanzieller Rücklagen und Absicherungen
- Nkein Zugriff mehr auf Dein eigenes Geld, weil Dein Partner es verhindert
- NDein Partner kontrolliert das Konto und entscheidet über Ausgaben
- Nkein Zugriff auf Dein eigenes oder gemeinsames Geld
Beispiele aus dem Alltag: Ist das schon Gewalt?
Es gibt zahlreiche Beispiele für ökonomische Gewalt, die sich im Alltag finden können. Wenn Du jeden Einkauf rechtfertigen musst, jede Ausgabe erklären und belegen sollst oder Dein Partner Dir nur ein knappes, festes Budget gibt, um alltägliche Besorgungen zu erledigen, dann kann das durchaus ökonomische Gewalt sein.
Wenn Du gerne arbeiten möchtest, aber Dein Partner Dir verbietet, zu arbeiten oder Dir nicht erlaubt, mehr Stunden anzunehmen, wenn er Dir ein eigenes Konto verbietet, auf das er weder Zugriff noch Einblick hat, dann ist das finanzielle, also ökonomische Gewalt.
Welche Folgen hat ökonomische Gewalt?
Die offensichtlichste Konsequenz aus finanzieller Gewalt ist die finanzielle Abhängigkeit vom Partner. Wenn Du kein eigenes Geld hast und kein eigenes Geld verdienen kannst, ist eine Trennung eine große Herausforderung. Gleichzeitig sorgt diese finanzielle Abhängigkeit bei der Betroffenen für Angst vor einer Trennung durch den Partner, weil sie dann ohne alles dastehen würde. Dadurch ist sie im Zweifelsfall eher bereit, schlechtes oder gewaltvolles Verhalten durch ihren Partner hinzunehmen.
Die Konsequenz aus diesen Dingen kann der Verlust des eigenen Selbstvertrauens sein. Die Betroffene fühlt sich vielleicht wertlos oder unfähig, ihr fehlt die Selbstwirksamkeit. Dies wiederum kann sie in eine Isolation treiben und dadurch noch stärker an ihren Partner binden – ein Teufelskreis.
Warum ist ökonomische Gewalt so schwer zu erkennen?
Ökonomische Gewalt beginnt oft ganz unauffällig und schleichend. Da sie in der Regel als “Fürsorge” oder “Vernunft” getarnt wird, merken Betroffene oft erst einmal nicht, was da eigentlich geschieht. Immerhin möchte der Partner doch nur “Geld sparen” oder “für die Rente vorsorgen”. Und bestimmt hat er doch auch viel mehr Wissen, was Finanzen betrifft – zumindest behauptet er das.
Da gerade dieses Klischee, dass Männer mehr Ahnung von Geld haben, gesellschaftlich akzeptiert ist, ist es für Betroffene schwer, im eigenen Umfeld Gehör zu finden, wenn sie ihr schlechtes Bauchgefühl benennen.
Was kannst Du tun?
- hole Dir Unterstützung bei der Eröffnung eines eigenen Kontos
- dokumentiere möglichst viel
- lass Dich beraten, zum Beispiel bei uns – das geht per geschützten Online-Formular, E-Mail, Telefon 04536 / 8909929 oder einfach per Direktnachricht auf Instagram.
Wenn Dein Partner das Konto kontrolliert, ist das Gewalt
Ökonomische Gewalt ist Gewalt. Sie nimmt Dir Deine Unabhängigkeit und schränkt Deine Handlungsfreiheit ein. Wenn der Zugriff auf Dein eigenes Geld benutzt wird, um Angst, Abhängigkeit oder Kontrolle zu erzeugen, ist das keine Partnerschaft.
Wenn Dein Partner Dein Konto kontrolliert, ist das keine Beziehung auf Augenhöhe.
Du hast ein Recht auf finanzielle Selbstbestimmung und Sicherheit.
Kommt Dir etwas davon bekannt vor? Melde Dich gerne jederzeit bei uns über unsere Kontaktmöglichkeiten: Über unser sicheres Online-Formular, E-Mail,, ruf uns an unter Telefon 04536 / 8909929 oder schreibe uns eine Nachricht auf Instagram. Wir glauben Dir.
FAQ
Ist es ökonomische Gewalt, wenn mein Partner mein Konto kontrolliert?
Ja, wenn Dein Partner ohne Dein Einverständnis Zugang und Kontrolle über Dein Konto hat, kann das ökonomische Gewalt sein.
Habe ich ein Recht auf eigenes Geld in der Beziehung?
Ja, Du hast immer das Recht auf eigenes Geld und auch darauf, dein eigenes Geld zu verdienen.
Was kann ich tun, wenn ich keinen Zugriff auf mein Geld habe?
Hole Dir Unterstützung, zum Beispiel von einer Anwältin oder einem Anwalt – oder auch zunächst von einer Beratungsstelle wie den LAND-GRAZIEN.
